Dysplasiesprechstunde

- Mehr Sicherheit in der Krebsvorsorge -

Terminvereinbarung: Telefon 069/7601-4200

Die Dysplasiesprechstunde ist eine Spezialsprechstunde für Frauen mit auffälligen Abstrichen im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchung bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt. Hier können Zellveränderungen am Muttermund und Gebärmutterhalskanal (Zervix), an der Scheide und am Scheideneingang (Vulva) gezielt weiter abgeklärt werden. Ferner können im Rahmen dieser Sprechstunde chronische Infektionen und Hautveränderungen im Bereich des inneren Genitale und an der Vulva untersucht werden. Nach Überweisung durch Ihren Gynäkologen können Sie einen ambulanten Termin zur lupenmikroskopischen (Kolposkopie) und feingeweblichen Untersuchung mit uns vereinbaren. Sollte eine Operation notwendig werden, kann dort auch ein Operationstermin vereinbart werden.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne in unserer Dysplasiesprechstunde zur Verfügung. Bitte bringen Sie Vorbefunde und bislang verschriebene Medikamente zum Untersuchungstermin mit.

Weitere Details und Informationen finden Sie unter den nachfolgenden Überschriften ("Links").


Was versteht man unter einer "Dysplasie"?

Bei der gynäkologischen Krebsvorsorge werden Zellabstriche vom Muttermund der Gebärmutter entnommen. Im Rahmen dieser Zelldiagnostik werden die aus dem Gewebe abgelösten Zellen nach einem standardisierten System vom Pathologen / Zytologen befundet und klassifiziert, das unter dem Namen "PAP-Abstrich" bekannt ist. Ähnliche Zellveränderungen können auch in der Scheidenhaut und am äußeren Genitale gefunden werden. Ursache hierfür können entzündliche Veränderungen, z. B. durch Bakterien oder Viren, chronische Schleimhauterkrankungen oder bösartige Erkrankungen sein.
Dysplasien im medizinischen Sprachgebrauch sind Zellveränderungen, die das Aussehen, das Wachstumsmuster und die Ausreifung der Zellen betreffen.
Gemeint ist die vermehrte Zellteilung atypischer Zellen, die NICHT bösartig sind, aber Vorstufen für eine bösartige Erkrankung darstellen können. Sie werden daher auch als "Krebsvorstufen" bezeichnet. Oftmals bilden sich dysplastische Zellveränderungen auch wieder zu normalen Zellen zurück, insbesondere wenn die körpereigene Immunabwehr ein auslösendes Virus bekämpft hat (HPV).
Dysplasien "respektieren" ihre Organgrenzen, insofern dürfen sie nicht mit "Krebs" verwechselt werden. Sie verursachen keine Beschwerden und werden daher in der Regel nicht selbst bemerkt.
Sie können daher nur durch regelmäßige Krebsvorsorge entdeckt werden. Je nach Schweregrad der Veränderung können diese jedoch bei fehlender Vorsorge und Behandlung zu einem bösartigen Tumor werden. Hierbei vergehen nach derzeitigem Wissen einige Jahre bis aus einer Dysplasie ein bösartiger Tumor, also "Krebs" , entsteht.
Man unterscheidet allgemein drei Schweregrade, die vom Pathologen anhand einer Gewebeprobe eingeteilt werden. Nur eine Minderheit der Dysplasien wird zu einer bösartigen Erkrankung. Vor allem leichtgradige Veränderungen (Grad I, G I) bilden sich zu einem hohen Prozentsatz spontan zurück. Hochgradige Vorstufen (G III) werden in der Regel operativ entfernt.
Je nach Lokalisation der Veränderungen unterscheidet man Veränderungen am Gebärmutterhals (CIN = Cervikale Intraepitheliale Neoplasie) von Erkrankungen der Vulva (VIN = Vulväre Intraepitheliale Neoplasie) und Scheidenschleimhautveränderungen (VaiN = Vaginale Intraepitheliale Neoplasie).


Wie kommt es zu einer Dysplasie? Was sind die Risikofaktoren?

Als auslösender Faktor für Dysplasien des Gebärmutterhalses ist die Infektion mit "High-Risk" Humanen Papilloma Viren gesichert und somit für die Entstehung des Zervixkarzinoms. Damit eine Infektion zu einem Karzinom werden kann, müssen weitere Kofaktoren vorhanden sein, die die Immunabwehr des Körpers beeinträchtigen, die im Detail noch nicht voll verstanden sind.
Dennoch zeigt sich oft , daß bei Patientinnen mit reduzierter Immunabwehr gehäuft Dysplasien auftreten. Hierzu zählen Immunsuppression (Medikamente, HIV), Rauchen, genitale Infektionen (Herpes, Chlamydien). Eine hormonelle Kontrazeption ("Pille") verursacht keine Dysplasien.


Die Infektion mit Humanen Papilloma Viren (HPV)

Die HPV Infektion ist eine häufige, sexuell übertragene Infektion. Über 20 Jahre ist die zentrale Rolle von HPV als Auslöser von Dysplasien und Gebärmutterhalskrebs bekannt. Mittlerweile sind mehr als 100 HPV Serotypen des Virus bekannt, davon befallen mehr als 30 ausschließlich die äußere und innere Genitalregion. Die Durchseuchung mit dem Virus ist sehr hoch, vor allem bei jungen Frauen. Hier sind bei circa 30 % der Frauen diese Viren nachweisbar. Man schätzt, dass 70 - 80 % der Frauen irgendwann in ihrem Leben eine HPV Infektion erleben. Die Mehrzahl der Infektionen ist meist vorübergehend und ohne Krankheitssymptome.
Um die vielen Virustypen zu unterscheiden, hat man sie nach ihrem Risikoprofil ein zwei Gruppen eingeteilt, eine "Low-Risk"- und eine "High-Risk" - Gruppe.
Zur Low-Risk Gruppe gehören die Viren mit geringem Entartungspotential, hier vor allem Typ 6 / 11. Diese Typen verursachen z.B. die genitalen Feigwarzen ("Condylome"). Dagegen sind die Viren der "High-Risk"- Gruppe in den Dysplasien und im Gebärmutterhalskrebs zu finden, vor allem die Typen 16 / 18.
Im Regelfall gelingt es der körpereigenen Immunabwehr das Virus zu eliminieren, dies gelingt in 70 - 80 % der Fälle. Allerdings entwickeln bis zu 20 % der Frauen mit einer "High Risk" Infektion und Persistenz des Virus über 2-3 Jahre eine Krebsvorstufe. Auch diese Dysplasien können sich noch zurückbilden. Allerdings nimmt die Wahrscheinlichkeit hierfür mit dem Dysplasiegrad, der Dauer und dem Alter der Patientin deutlich ab. In 1 - 2 % der Fälle muß bei langjähriger Persistenz von "High-Risk"-Viren mit der Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses gerechnet werden. Hier läßt sich dann nahezu immer das Virus nachweisen.
HPV führt also nur in den wenigsten Fällen zu einer Krebsentstehung, ist aber Voraussetzung, dass Gebärmutterhalskrebs überhaupt entstehen kann.
Eine HPV Infektion ist also für sich alleine kein Anlaß für Besorgnis und ungefährlich.
Sie ist aber ein wichtiger Parameter in der Verlaufsbeobachtung auffälliger Befunde bei der Krebsvorsorge.


Die Impfung gegen HPV

Nach jahrzehntelanger Forschung sind seit 2006 zwei Impfstoffe in Deutschland verfügbar. Damit steht erstmals eine Impfung gegen potentiell krebsauslösende Viren zur Verfügung. Für die Zukunft verspricht sich die Wissenschaft hierdurch eine drastische Abnahme von Dysplasien und Zervixkarzinomen.
Zugelassen sind zwei Impfstoffe:
Gardasil®: gegen HPV 16/18, sowie 6/11 (Feigwarzenerreger)
Cervarix®: gegen HPV 16/18

Die Impfung ist ausschließlich zur Prävention geeignet und nicht zur Therapie bereits bestehender Dysplasien.
Da die Impfstoffe nur gegen die häufigsten HPV Typen wirken, ersetzt die Impfung keinesfalls die weitere gynäkologische Krebsvorsorge.
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Bundes für Mädchen zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr.


Welche Untersuchungen werden in der Dysplasiesprechstunde gemacht?

Grundlage der Krebsvorsorge ist die mindestens jährliche Krebsvorsorge bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt. Bei auffälligen Befunden wird dieser Sie in unsere Dysplasiesprechstunde überweisen.
Hier wird zunächst das äußere Genitale auf Veränderungen, z.B. Feigwarzen, Krebsvorstufen, chronische Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus oder Östrogenmangelzustände hin untersucht.
Manche typische Veränderungen sind hierbei schon mit bloßem Auge erkennbar.
Nach Einführen der Spekula wird die Scheidenschleimhaut und insbesondere der Muttermund inspiziert.
Um auch leichte Zellveränderungen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind, sichtbar zu machen, erfolgt danach eine Untersuchung mit dem sogenannten Kolposkop. Mit diesem speziellen Lupenmikroskop können auch winzige Haut- und Schleimhautveränderungen unter starker Vergrößerung sichtbar gemacht werden.
Zur besseren Differenzierung zwischen normaler und veränderter Schleimhaut wird verdünnte Essigsäurelösung aufgetragen, ferner auch Jodlösung. So können krankhaft veränderte Areale von gesunden Schleimhautbereichen abgegrenzt werden. Ferner werden bei der Untersuchung Zellabstriche gewonnen (PAP), bei Bedarf der HPV-Status ermittelt und weitere mikrobiologische Abstriche auf Bakterien und Pilze gewonnen. Bei suspekten Arealen wird auch eine Probe zur feingeweblichen Untersuchung entnommen werden. Dies geschieht unter lokaler Betäubung weitgehend schmerzfrei.

Unbehandelter
Muttermund
Muttermund
nach Essigsäure
Muttermund
nach Jodprobe

Vulvakondylome HPV Infektion
am Muttermund

Schwere Dysplasie,
Kolposkopie
Schwere Dysplasie,
Mikroskopie


Der PAP - Abstrich

Seit der bahnbrechenden Entdeckung des Krebsvorsorgeabtriches vom Gebärmutterhals durch Dr. Papanicolao in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts ist der "PAP" jeder Frau geläufig.

Die Zellen werden mit Watteträgern oder Bürsten gewonnen, auf einem Objektträger ausgestrichen und nach einer speziellen Färbung von unseren Gynäko-Pathologen untersucht.

Gruppe Befund der Zelluntersuchung Maßnahme
I Normales Zellbild keine
II Normales Zellbild mit entzündlichen Veränderungen keine, ggf. Kontrolle nach Behandlung der Entzündung
III Unklares Zellbild, stark entzündlich, verkleinerte, geschädigte Zellen suspekt, weitergehende Diagnostik, kurzfristige Verlaufskontrolle, ggf. Gewebeprobe
III D Zellen einer leichten bis mäßigen Dysplasie suspekt, Kontrolle in 3 Monaten, bei Persistenz / Verschlechterung Gewebeprobe oder therapeutische Konisation + Abrasio
IV a Mäßige bis schwere Dysplasie oder "Carcinoma in situ" Gewebeprobe oder therapeutische Konisation + Abrasio
IV b Mäßige bis schwere Dysplasie oder "Carcinoma in situ", ein invasives Karzinom kann vorhanden sein wie IV a
V Bösartiger Tumor Gewebeprobe


Mit welchen Methoden werden Dysplasien behandelt?

Die Behandlung orientiert sich einerseits an der Lokalisation und der Schwere der Dysplasie, andererseits an Ihren Wünschen und Erwartungen.
Sie reicht von der engmaschigen kolposkopischen Verlaufskontrolle bei leichten Veränderungen am Muttermund bis hin zur Gebärmutterentfernung bei schweren Dysplasien und abgeschlossener Familienplanung.
Kleinere Veränderungen können mit dem Laser zerstört werden. Ebenso kommt die Konisation durch Messer, Laser oder Elektroschlinge zum Einsatz.
Veränderungen an der Vulva können mit dem Laser ohne Narbenbildung entfernt werden, z.B. Feigwarzen.
Großflächige Veränderungen erfordern manchmal operative Eingriffe mit dem Skalpell, auch mit plastischen Rekonstruktionen.
Das Gewebe wird dann im klinikeigenen pathologischen Institiut subtil für eine abschließende Diagnose untersucht.
Die optimale Behandlungsmethode wird anhand der medizinischen Befunde in Abhängigkeit Ihrer persönlichen Lebensumstände, wie z.B. Familienplanung oder Bereitschaft zu konservativen Verlaufskontrollen oder Operation, in einem gemeinsamen Gespräch ausführlich besprochen.